Was ist die Ergotherapie und wie ist sie nützlich im Alltagsleben mit Parkinson?

Damit ein Parkinsonpatient seine Lieblingsaktivitäten weiterhin betreiben kann, unterstützt ein Ergotherapeut seine Patienten bei drei verschiedenen Aspekten des Alltags: zu Hause, am Arbeitsplatz und bei Freizeitbeschäftigungen. Wir arbeiten mit den betroffenen Personen eng zusammen, damit die Probleme besser identifiziert und konkrete Lösungen gefunden werden können und gleichzeitig die Gewohnheiten und Gegebenheiten des Patienten berücksichtigt werden. Oft geht es darum, den Raum anzupassen oder eine Aufgabe zu organisieren, um die Effizienz zu verbessern, Behinderungssituationen zu verringern oder zu beseitigen. Wir helfen den Patienten bei den Aktivitäten unabhängig zu bleiben, die ihnen am wichtigsten sind. Diese „bedeutenden Aktivitäten“ sind Aktivitäten, die die Patienten wirklich machen wollen und genau hier kann der Ergotherapeut unterstützend eingesetzt werden.

Um einige konkrete Beispiele zu nennen: Zu Hause kann es unsere Aufgabe sein, für Patienten einfachen Wege zu finden, um sich anzukleiden oder einfacher auf die Toilette zu gehen. In Bezug auf Hobbys kann ein Ergotherapeut versuchen entweder die alten Freizeitbeschäftigungen zu adaptieren, oder sogar etwas völlig Neues vorzuschlagen. Am Arbeitsplatz eines Patienten, konzentriert sich unsere Arbeit auf technische Empfehlungen - einen Wechsel von Tastatur, Bildschirms oder Stuhls- oder auf eine Anpassung von Aufgaben, die für den Patienten schwierig geworden sind. Wenn eine Sekretärin bespielweise nicht mehr das Telefon und die Tastatur gleichzeitig bedienen kann, kann man die Verwendung eines Aufnahmegeräts in Betracht ziehen. 

Wir arbeiten mit Menschen jeden Alters, von Kindern mit Lernschwierigkeiten bis hin zu Erwachsenen die an Traumata oder neurologischen Probleme leiden. Jedes Mal, gibt es Lösungen, die wir auf die Patienten individuell anpassen. In Falle der Parkinson-Krankheit ist es am wichtigsten, die ständige Müdigkeit der Patienten in den Griff zu bekommen. Es ist wichtig, dass Menschen mit Parkinson wissen, wie sie die Dinge, die sie tun möchten am besten planen sollten und, dass sie manchmal akzeptieren müssen, dass sie einige Aufgaben an andere delegieren müssen. Wenn es zum Beispiel für den Patienten wichtig ist, das Kochen ganz alleine zu erledigen, können wir eine Haushaltshilfe empfehlen, die beim Duschen und Anziehen unterstützt und somit genügend Energie für die Zubereitung kleiner Gerichte bleibt. Die Initiative zu ergreifen kann manchmal schwierig sein. Daher es ist sehr wichtig die Aufgaben zu vereinfachen, sie aufzuteilen und auf einfache Weise zu organisieren. Es geht darum, neu zu lernen, wie man auf eine andere, angepasste Weise plant. Das Nachsorge zu Hause ist auch sehr wichtig, damit die Patienten wissen wie sie die Lösungen im Alltag umsetzen können.

Der Ergotherapeut wird auch mit der Bezugsperson, häufig dem Ehepartner, zusammenarbeiten, um ihre Gefühle in Bezug auf die Pflegebelastung einzuschätzen und sie zu begleiten, damit sie ihr persönliches Leben nicht vernachlässigen. Die Ergotherapie wird auch in den verschiedenen Stadien der Krankheit nützlich sein. Zunächst werden hier Tipps zur Aufrechterhaltung der Aktivitäten gegeben, während sich die Therapie in einem sehr fortgeschrittenen Stadium darauf konzentriert den Komfort und das Wohlbefinden der betroffenen Person zu maximieren.

Wie funtioniert der Austausch mit den Patienten?

Ich beginne mit einem ersten Besuch, um herauszufinden, mit welchen alltäglichen Schwierigkeiten der Patient konfrontiert ist und mache verschiedene Vorschläge. Es kann sich um Ratschläge zu technischen Hilfsmitteln oder eher um organisatorisches Coaching handeln. Danach ist es an dem Patienten die vorgeschlagenen Lösungen auszuprobieren und zu testen. Es kann durchaus eine lange Zeit dauern bis Verbesserungen eintreten und der Patient muss bereit sein zu investieren.

Ich arbeite sowohl selbständig, als auch in einem Rehabilitationszentrum, davon hängt auch die Art der Nachsorge ab. In dem Rehabilitationszentrum, finden die Termine regelmäßig statt und die Patienten machen die Übungen in einem Therapieraum, jedoch nur während des Krankenhausaufenthalts. Die Patienten, die ich außerhalb von diesem sehe, besuche ich mehr oder weniger oft zu Hause oder auf der Arbeit. Ein sehr regelmäßiges Follow-up ist nicht unbedingt erforderlich und auf praktischer oder finanzieller Ebene nicht immer durchführbar. In Luxemburg wird die Ergotherapie nicht erstattet, sodass eine langfristige Nachsorge häufig eine erhebliche finanzielle Belastung für die Patienten dastellt. Ich versuche dies während meiner Arbeit zu berücksichtigen.

Die ideale Lösung wäre ein Format, ähnlich dem in den Niederlanden, bei dem zehn Stunden Nachsorge pro Jahr für jeden Patienten erstattet werden. Dies ermöglicht einen ersten Termin, um Lösungen festzulegen, und anschließend regelmäßige Besuche, um den Fortschritt zu überprüfen und gegebenenfalls neue Anpassungen vorzuschlagen.

Was sind die Vorteile des ParkinsonNet Luxembourg-Netzwerks, zu dem Sie gehören?

Dadurch, dass ich die Gelegenheit hatte das ParkinsonNet durch eine Schulung kennezulernen, weiß ich nun, dass dieses Netzwerk sowohl neues Wissen bringt als auch die Ansichten über die Parkinsonkrankheit ändern kann. Meine persönliche Sichtweise ist anders und ich arbeite nun aufmerksamer an den Problemen der Patienten, die sie am meisten stören und nicht an den Themen, die ich für am wichtigsten halte.

Die Ärzte sind besser über die Bedeutung der multidisziplinären Pflege informiert und verschreiben ihren Parkinsonpatienten häufiger Ergotherapie. Die Ärzte haben auch ein besseres Verständnis für unsere Arbeit und uns von anderen Berufen unterscheidet. ParkinsonNet verebessert auch die Kommunikation zwischen den medizinischen Fachkräften. Wir können leichter über die Fortschritte des Patienten informiert werden und uns gegenseitig helfen, wenn etwas nicht funktioniert.

Ein weiterer konkreter Aspekt ist, dass bei ParkinsonNet Luxembourg als sogenanntes Kompetenznetzwerk in der Regel alle beteiligten Gesundheitsberufe von der gleichen Sichtbarkeit und den gleichen Bedingungen profitieren. Dies würde eventuell eine Erstattung von Ergotherapieberatungen ermöglichen. Dies wäre wirklich ein Schritt vorwärts, den Zugang zur Fürsorge für alle zu öffnen!

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