Die Welt steht derzeit vor einer großen Herausforderung, da das SARS-CoV-2 Virus, welches die Lungenkrankheit COVID-19 verursacht, sich inzwischen in den meisten Ländern verbreitet hat. Im März wurde daher die Research Luxembourg COVID-19 Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um den Gesundheitssektor durch die gemeinschaftliche Expertise der öffentlichen Forschung in Luxemburg zu unterstützen.

Unter der Koordination des Ministeriums für Hochschulwesen und Forschung sind derzeit das Luxembourg Institute of Health, das Luxembourg Institute for Socio-Economic Research, das Luxembourg Institute of Science and Technology, Luxinnovation, die Universität Luxemburg und Fonds National de la Recherche in diverse Forschungsprojekte involviert, die sich mit der aktuellen Epidemie beschäftigen.

Darüber hinaus ist auch das NCER-PD-Team maßgeblich an der Bekämpfung des Virus beteiligt, sowohl durch Mitarbeit in der COVID-19 Arbeitsgruppe als auch durch Unterstützung der Gesundheitsdienstleister in Krankenhäusern und medizinischen Zentren.

Querschnittstudie zur Untersuchung der Verbreitung der Infektion in Luxemburg (CON-VINCE)

Die ‘COvid-19 National survey for assessing VIral spread by Non-affected CarriErs’ – kurz CON-VINCE – ist eines der Projekte der Arbeitsgruppe, an dem auch einige Mitglieder des NCER-PD-Teams beteiligt sind.

Das Ziel dieser Studie ist die Auswertung der dynamischen Verbreitung des Virus innerhalb der Luxemburgischen Bevölkerung. Asymptomatische Personen sowie Patienten mit nur milden Symptomen spielen eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung des Virus. Bislang sind diese Gruppen jedoch nur wenig untersucht worden, da sich die diagnostischen Tests hauptsächlich auf Menschen mit deutlichen Covid-19 Symptomen konzentrieren. In der CON-VINCE Studie werden 1.500 Personen auf das Virus getestet, wobei nur die asymptomatischen und mild symptomatischen Patienten weiterverfolgt werden.

„Nach unserem derzeitigen Wissensstand werden asymptomatische Überträger in keinem der von der COVID-19 Pandemie betroffenen Länder systematisch verfolgt. Daher stehen zu Zeit auch noch keine umfassenden Daten zur Epidemiologie und der Dynamik des Krankheitsverlaufes zur Verfügung. CON-VINCE zielt darauf ab, diese Lücke durch Bereitstellung verlässlicher Informationen über die Natur, Verbreitung und Art des Virus im Großherzogtum zu schließen, um hierdurch nationale und internationale Entscheidungsträger dabei zu unterstützen, ein effektives Gesundheitssystem sowie ökonomische und politische Maßnahmen zu implementieren“, erklärt Prof. Rejko Krüger, Direktor der Transversalen Transnationalen Medizin am Luxembourg Institute of Health LIH und derzeitiger Koordinator der „CON-VINCE“-Studie.

Einige Mitglieder des NCED-PD-Teams werden diese Studie in ihren verschiedenen Stadien unterstützen. Das klinische Team wird beispielsweise dabei helfen, Teilnehmer zu rekrutieren und die Proben zu entnehmen, zu lagern und weiter zu verarbeiten. Die Bioinformatiker, die gewöhnlich für NCER-PD arbeiten, werden sich um die Integration und Speicherung der Daten kümmern. Sie werden dabei die zuvor entwickelte Infrastruktur der Luxemburger Parkinson Studie nutzen, um Informationen über infizierte Coronavirus-Patienten in Luxemburg zu sammeln. Hierdurch wird ein schneller Zugang auf standardisierte Daten gewährleistet.

Praktische Hilfe in Krankenhäusern und medizinischen Zentren

Ein Teil des klinischen Team hilft darüber hinaus aktiv in Krankenhäusern und medizinischen Zentren mit. Angehende Neurologen wie Dr. Lara Stute und Dr. Sylvia Binck arbeiten beispielsweise zur Zeit am Centre Hospitalier de Luxembourg. Sie unterstützen die Station, auf der Patienten mit Anzeichen einer COVID-19 Erkrankung auf das Virus getestet werden (mittels PCR-basiertem Nachweis des Virus* und/oder CT Scan).

Forschungs-Krankenschwestern wie Anne-Marie Hannf sind außerdem bereits seit März stark involviert. Frau Hannf arbeitet derzeit ehrenamtlich mehrmals wöchentlich in der LUXEXPO-Veranstaltungshalle in Kirchberg, wo ein temporäres medizinisches Zentrum eingerichtet wurde. Als Krankenschwester beteiligt sie sich an der Triage, was die Erstbegutachtung der Patienten und Weiterleitung an die ­­entsprechenden Abteilugen (Corona-spezifisch oder allgemeinmedizinisch) beinhaltet. „Wenn die Patienten zu uns kommen, ist es wichtig ihnen den Ablauf der Prozedur zu erklären und eine schnelle Übersicht über ihren Zustand zu bekommen, um die Dringlichkeit der Situation einzuschätzen“, erklärt Anne-Marie Hannf. „Gemeinsam mit den Ärzten müssen wir entscheiden welche Patienten eine vorrangige und wahrscheinlich stationäre Behandlung benötigen und welche nicht.“

Zusätzlich zur äußerlichen Begutachtung der Patienten ist es außerdem wichtig, die Ernährung, Medikation und  zu Hause verwendete Hygieneartikel der Patienten in die Beurteilung mit einfließen zu lassen, insbesondere bei älteren Menschen. Viele Patienten sind aufgrund der aktuellen Pandemie sehr besorgt und benötigen daher auch zusätzlich psychologische Hilfe. „Wenn möglich, versuche ich geeignete Hilfsangebote hierfür bereitzustellen“, sagt Frau Hannf. „Da ich die Vorsteherin der Vereinigung der Krankenschwestern Luxemburg (ANIL) bin, fühle ich mich auch sehr verantwortlich. Daher ist es für mich selbstverständlich meinen Teil zur Bekämpfung dieses Virus beizutragen und war daher auch sehr froh, als Prof. Rejko Krüger dem zustimmte. Dort helfen zu können wo Hilfe gebraucht wird fühlt sich richtig und wichtig an“, betont Anne-Marie Hanff.

* Der verwendete Test, um herauszufinden, ob eine Person an COVID-19 erkrankt ist. Hierzu wird ein Abstich aus der Nase und dem Rachen genommen und auf das Vorhandensein von genetischem Virusmaterial untersucht.

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Photo: © scienceRelations